Die Orientierungswoche ist vorüber und auch die ersten drei Vorlesungstage sind ins Land gezogen – Zeit für einen kleinen Bericht.
Zunächst meine Eindrücke vom Campus: Dieser selbst ist viereckig. Rund herum befinden sich Gebäude, in der Mitte gibt es viel Grün. Alles ist deutlich großzügiger als in Osnabrück, und recht edel, fast wie im Film, nicht nur die Fassaden. Die Ausstattung einer unserer Seminarräume mit einem hochglänzenden runden Holztisch und großen rollbaren Ledersesseln finde ich allerdings leicht übertrieben. Aber es ist ja nicht überall so prunkvoll – einige Räume sind trotz der goldenen Lettern an der Eingangstür mit einfachen Stühlen ausgestattet, die über bekannt nervige von der Armlehne her hochklappbare Kunststofftische verfügen.
Groß und doll ist wiederum das neue Danforth Center, das zahlreiche Lunchmöglichkeiten und sogar Räume zum Entspannen (mit Sofas und Beanbags – wobei die Farbkompositionen hier zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig sind) bietet. Mit dem Osnabrücker Mensabetrieb sind hier nur die Schlange an den Essensausgaben und der charakteristische Lärmpegel vergleichbar.
Ebenfalls ungewohnten Komfort bieten das Postamt, der Campusstore und die Campusbank in direkter Reichweite der Hörsäle.

Wo ein Campus ist, da findet man natürlich auch Studenten. Insgesamt habe ich das Gefühl mich in einer eingeschworenen aber dennoch offenen Gemeinschaft zu bewegen. Dabei unterscheidet sich die Atmosphäre unter den Studierenden allerdings ziemlich drastisch mit dem Jahrgang. Während die Undergraduates dazu tendieren nur auf gute Klausurnoten zu lernen (und das auch zu Semesterbeginn schon deutlich zeigen), können sich die Graduates tatsächlich für ihr Fach zu begeistern und beginnen auch mal ein Gespräch oder eine Diskussion vor dem Seminarraum.
Kommen wir zu den Dozenten. Sie sind überwiegend freundlich und aufgeschlossen. Weiter gibt es hier noch nicht viel zu berichten. Die einen sind lustig, die anderen trocken, einige versteht man besser, andere schlechter, die einen sind beliebt, über die anderen kursieren Horrorgeschichten, … also alles ganz normal.
Weitere Mitarbeiter zeigten sich (meist) bemüht und hilfsbereit; besondere Erwähnung verdienen hier zum Beispiel die leicht überrumpelte Sekretärin, die immer noch herauszufinden versucht, wie ich eine ID-Karte bekomme, und der nette Bibliothekar, der mir als einzigem Interessenten eine Privatführung durch die Bibliothek gab.
Was fehlt noch? Na klar, die Veranstaltungen. Nach den Aktivitäten der Einführungswoche fingen am Mittwoch Vorlesungen und Seminare an. Mein Eindruck bisher ist vor allem, dass man hier in eine einzige Veranstaltung deutlich mehr Energie steckt, als ich es aus Osnabrück kenne. Das Lesepensum pro Woche und Seminar beläuft sich auf etwa 100 Seiten, dazu ein bis zwei Midterms, ein Final, oft noch wöchentliche Hausaufgaben oder kurze Paper und ein längeres am Schluss; bei Vorlesungen gilt das gleiche, nur ohne das Schlusspaper. Die Textmassen für die kommende Woche stapeln sich schon auf meinem Schreibtisch ![]()
– Übrigens beschwert sich hier niemand, wenn er/ sie mal ein bis vier Bücher für eine Veranstaltung anschaffen muss; auch nicht, wenn jedes um die 50$ kostet und man ja doch nicht jede Seite wirklich lesen wird.
Neben den regulären Veranstaltungen soll es auch noch Kolloquien geben, die ich mir ungern entgehen lassen würde.
Alles in allem, sehe ich also gespannt einem aufregenden und lehrreichen Semester entgegen!


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